Die „unterhopfte Deggendorfer“

Nähere Erläuterung zum Titel – eher nein. Wie sie zustande kam – eher ja. Zu Jahresbeginn überschritt ich den 75er, also zum „ISTER-Urgestein“ gehörend. Da ist, so meine ich, eine Art Bilanz gestattet und vor allem aber, was schaff ich noch? Eine „Deggendorfer“ vielleicht, es wäre dann die Vierte. Wenn überhaupt – mit welcher Mannschaft? Die, mit der ich mit 120 km einen Leistungstag gewann? Also fragte ich – noch bevor die Coronalawine über uns hereinbrach – den Klausi L. ob er sich so etwas vorstellen könne. Mit meiner Begründung, „ich noch – ohne in die Feststellung zu geraten – den Oidn hamma a mitgschleppt“. Ein prinzipielles ja, aber erst im Herbst. Um einige Details gings dann im Mai, u.a. weil der „Hofi“ von WIL als Fünfter ersetzt werden sollte. Oder wird ein Vierer gefahren? Nachdem die fünf Tage in die letzte Aug- oder erste Sept-Woche passen sollten, konnte ich mit „Burgi“ (einer der „24-h-Passauer“) dazu gewinnen. Die Fragen, welcher Fünfer, wurde mit der „Regensburg“ und ob mit Steuersitz auch mit „ja“ beantwortet.

Also ging die Mannschaft mit Klausi (Fußsteuer), Harry Stifter, Franz Ransmayr, Thomas Burg (Schlag) und mir am Mi, 26.8.2020 bei traumhaften Bedingungen mit dem Ziel WESENUFER (62km) aufs Wasser. Beim Ablegen im Ottensheimer-Oberwasser standen da zwei rad-fahrende Altmädeln und der Schmäh lief und das Betreuungsangebot an uns – Füttern, Trockenlegen und Windeln, war alles includiert. Die erste Unterhopfung mußten wir beim ERNST in Untermühl ausgleichen und dann ging alles weiter gut – bis zum KM 2174. „Mann über Bord!“ – nein, es war nur Franzis wertvolle Segler-kappe, die ihm ein Windstoß vom Haupte holte. Wende und zurück und als wir in Fangnähe waren ging sie leider im Zeitlupentempo unter.

Gut in der Zeit – der nächste Stopp war dann beim AUMÜLLER in Obermühl. Schon im Gastgarten waren die Sturmböen sehr heftig und laut. Was danach los war? Bis Innzell – also knapp 6 km – schlugen „katzenkopf“-schäumende Wellen das Boot halbvoll (optimistisch: noch halbleer). An der Rampe gings “ruck-zuck und ganz leicht“, zuerst der Ausrutscher von Burgi (mit Prellungen) und dann das Herausheben zum Entleeren (plus/minus 50l Wasser). – Und? Das Schicksal wollte, daß wir beim REISINGER? Eh scho wissen. Ohne Pausen danach zum „SCHIFFMEISTER“ – beste Versorgung inbegriffen.  Nach dem Super-Frühstück gings am Do, 27.8. los über Jochenstein – Passau – Vilshofen nach Hofkirchen (64 km).

Jochenstein – Wagerlschlüssel? An der oberen Einsetzstelle – aha! Die Floßrast in Kasten mit Franzis eher unfreiwilligem „1. Kastener Floßsprung“. Vom Heraus aufs Floß – es wurde ihm zu kurz – bis wieder hinein – ins Wasser. Beste Bedingungen nach Passau, jedoch ich verlegte Passau zum 2220er und das war einfach falsch, weil da war von Passau absolut noch nichts zu sehen. Bei Unterhopfung und in Erwartung des „HACKLBERG-BRÄUS“ hielt sich nach dieser Aussage die Begeisterung der restlichen Vier stark in Grenzen. Beim KM 2228 (ca) wartete die Rampe und das Bräu auf uns. Ausgerüstet mit dem Nasen-Fotz-Schutz gab es kein Halten und die erste „Linie“ von Franz – nämlich fünf Halbe – nahm Gestalt an (für Unwissende: Linienschiff hat Mitglieder an Bord die ein stromaufliegendes Ziel das erste Mal erreichen). Überheben am Passauer Kachlet-KW ging flott, flott gings auch weiter auf einem traumhaft zu rudernden Stausee mit einem ebensolchen Donauwasser, die alte Regattastrecke in Schalding lag auch bald hinter uns – bis zum 2238. Da wartete ein Floß auf uns und die Unterho…. eh klar!

„An welchem KM Vilshofen liegt?“ „Am 2249er bei der Brücke ist das Bootshaus!“ Nach meinem „Passausager“ lief natürlich das „Häkerl“  – „wie vor, unter oder nach der Brücke?“ 2249 stimmte exakt und die Crew friedlich, auch weil das neue Bootshaus biervorzüglich (Weizen und „Russen“? = bei uns Radler) besetzt war. Anruf beim BUCHNERWIRT in Hofkirchen, daß wir sicher, aber etwas später kommen. Inzwischen hatte Harry das Fußsteuer übernommen und konnte seine Fähigkeiten beweisen. Steine, groß und klein, sicht- und unsichtbar, Riegeln mit unmittelbar daneben liegenden Bojen, Bäume und Treibholz usw., das alles ohne eine Bootshautberührung.  Die Wasserstraße ist bis Deggendorf manchmal wirklich „sau-eng“ – beginnend mit dem „Hilgartsberger Kachlet“ von KM 2250 (Ruine am re Ufer) bis zum KM 2253.

Am 2257er – Hofkirchen – erwartete uns die  Rampe zum Aussteigen und die Senior-Chefin mit der Frage nach unseren Essenswünschen, weil um halbneun ist die Küche zu. Also schnell ein Weizen, suchen + sagen, welche Essenswünsche wir haben und dann – Zimmerbezug mit Duschen. Zwei Überraschungen an diesem Abend, nämlich: Ich richtete dem Sen-Chef die Grüße von unserem Adi Hö aus und er fragte mich sogleich, ob Adi ein 37er- oder 38er-Jahrgang sei? Da war ich baff, denn Adis letzte „Deggendorfer“ lag wenigstens 10 Jahre zurück. Die andere waren kartenspielenden Männer und Wirt. Burgi´s Fragen hinsichtlich „Schafkopf-Sauspiel“  wurden vom Wirt umfassend beantwortet. Neugierig? Thomas hat die Details auf seiner Seite dargelegt.

Dann kam die Nacht – der Kirchturm max. 20 m vom offenen Fenster entfernt – mit Viertelstundenschlag! Also die ersten drei Stunden war ich müde und weg, aber dann – Fenster zu – trotzdem – es wurde eine „Emmentaler-Nacht“! Nach wiederum einem sehr guten Frühstück stiegen wir „gut drauf“ am Fr, 28.8. ins Boot, um Deggendorf (KM 2285) und zurück (2x28km = 56km) zu „erobern“ und das bei bestem Wetter und Wasserstand. Kaum im Boot, kam die Frage, wann das unterhopfige Gefühl befriedigt werden könne. Meiner Erinnerung nach sollte am 2270er eine Kanustation mit Gastronomie sein. Also Übersetzen ans Linzer Ufer und? Keine Kanustation aber der „Mühlhamer Keller“. Harry hats sofort gecheckt, die kleine Bachmündung mit Zille – anlegen und hinauf zum Wirt. Beim Einsteigen fuhr der Frachter „Heinz Hofmann“ an uns vorbei – ihm begegnete ich im Einer schon 2008 am Main.

KM 2276 – am li Ufer ist das Kloster NIEDERALTAICH gut zu sehen und 2 km weiter – wunderbare Schotterbänke – nichts wie rein in traumhafte Wasser (k)nackig – auch klar. Umrüsten des Bootes auf Vierer/mit – Franz nun am Steuer. Thomas nahm seinen Platz ein und ich saß nun am Schlag. Wie die Isarmündung am 2281,7er angehen? So wie den Inn mit Übersetzen oder am li Donauufer gegen die starke Isar-Strömung aufwärts rudern. Variante eins klappte gut und danach die schier endlos langen Kilometer entlang der Spundwände. Dann noch ein paar Meter – der 2285er war da. Die Begeisterung im Team war hör- und spürbar. Nichts wie hinauf zum Bootshausdes „Deggendorfer RV“, bzw. einen Stock höher in die Pizzeria LAURIN. Da konnten sowohl das hopfige Defizit, als auch der Nudelhunger bestens ausgeglichen werden. Weil das Sitzen so gut war – das „Wieder-ins-Boot-steigen“ war dann die schiere Überwindung. Und rudern mußten wir auch noch – Klausis Wetterfrosch kündigte gegen Abend Regen an. Die schwarze Regenfront verfolgte uns ab Mitte der Strecke und die letzten 10 km zogen wir wie die Wilden (lt. Klausis Schiffs-Tacho waren es unglaubliche 16 km/h) – und es ging sich knapp, aber trocken aus.

Sa, 29.8. zurück nach Wesenufer,  mit GRAU und FEUCHT ins Boot, aber wieder traumhafte KM-Zeiten – das Boot lief bestens bis Passau. Witterungsbedingt fiel Hacklberg „ins Wasser“ und so beschlossen wir in Kasten einzukehren. Überheben in Jochenstein und die Kastener Rampe – „a bissal grausliche“ Rutschpartie. Wiederum beste Gastronomie beim „Schiffmeister“ und so stiegen  wir „gräulich“ am So, 30.8. früh ins Boot. Gegen halbelf (schon) waren wir beim Überheben und ich zeigte dem Rest der Crew die Wagerl-Überhebetechnik von Adi Hö. Das ist eher dann anzuwenden, wenn dies kein reines Männer-, sondern ein Mixed-Boot (mit reifen und hübschen Donauweibleins) zu bewerkstelligen hat. Bei zunehmend schönerem Wetter liefen wir Punkt 12 h in Brandstatt und beim DIEPLINGER ein – natürlich mit bestem Service. Am Stausee „flogen“ die KM geradezu vorbei und wie wir im Unterwasser feststellten, waren drei Wehrfelder überronnen. Von 260cm beim Start auf 410cm beim Ankommen, da gings noch flotter. Um halbfünf konnten wir das Boot herausheben und vorschriftsmäßig versorgen. Mit einem „Pfüat-di-Bier“ beendeten wir diese „einmalige Deggendorfer“.

Fazit: Diese Fahrt mit gesamt 311 km beinhaltete beinah alles nur Mögliche und die Stimmung war an diesen fünf Tagen ausgezeichnet und unbelastet. Hervorzuheben sind Steuerleistungen und die klaren Kommandos von Klaus und Harry – Franz am „Steuerbankerl“ stand ihnen aber da um nichts nach. Es wurde auch darüber nachgedacht, nicht nur so eine „Deggendorfer“ periodisch wiederkehrend ins Programm aufzunehmen. Naja, warum eigentlich nicht? Was mich selber anbelangt? Mir gings  einfach nur gut – was will ich mehr!

Reinhard Resch, Verursacher

PS.: Ergänzend dazu darf ich noch Franzi Ransmayrs „Special“ und Thomas Burg´s „Saukopf“-Seite nachfolgend ankündigen. Bitte um Nachsicht wegen meiner „ß“-Schreibung – ich weiß es!

Bilder: Die Mannschaft

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