Wanderfahrt Schärding-Linz September 2016

Für das Wochenende von 17.-18. September 2016 war eine Wanderfahrt von Schärding nach Linz geplant. Gerhard hat alles perfekt organisiert, am Donnerstag wurden die Boote eingeteilt, verladen; Bus- und Zugplätze verteilt; die Teilnehmer mit Schwimmwesten und Neulinge mit Bekleidungstipps für das vorhergesagte Regenwetter ausgestattet. Anmeldungen: 14.

Punkt 07:20 am Treffpunkt Linzer Bahnhof: Die Neulinge Karin L. und Daniel H. finden eine Regina H. ohne Gepäck wartend vor: Planänderung, es gibt zu viele kranke Kinder von Harald A. und zu viel Regen von oben. Zum Teil schon etwas durchgenässt werden beim Bootshaus neue Pläne geschmiedet.

Es wird beteuert, wie gerne man doch im Regen gefahren wäre; gemeinsam und den Kindern zuliebe wird die Abfahrt allerdings einstimmig auf den Abend verschoben.

Verladen der Boote

Um doch noch als zweitägige Wanderfahrt zu gelten, wird pünktlich um 16:30 vom Ister im Dauerregen per Bus und Auto nach Wesenufer gefahren; vielleicht kann man vor Ort ja noch eine Runde im Boot drehen. Tatsächlich vor Ort angekommen werden aber gleich die Zimmer bezogen und mal abgewartet. Nach Sonnenuntergang, bei der köstlichen Speisekarte und dem gemütlich und wirklich schön hergerichteten Gastraum vom Schiffmeister werden diese Pläne dann auch schon wieder vergessen und genügend Kraft für morgen getankt. Statt fröstelnder RuderInnen die entkräftet eine Suppe löffeln, vertreibt man sich die Zeit mit spannenden Erzählungen über Kisten voller Kapperl, Linienschifffahrt¹, Bootsdurchschnittsalter und guten Nachspeisen; wie zum Beispiel Marlenes‘ 4 Stock hohe Sachertorte. Versuchte Reglementänderungen der Linienschifffahrt¹; die nun auch beim Flussabwärtsfahren ohne bereits geleistete Kilometer in Kraft treten soll wurden mangels einer starken demokratischen Hand die durch den Prozess führt kurzerhand auch wieder abgesagt.

Da man am nächsten Morgen nach dem anstrengenden ersten Tag wieder fit sein will, wird die angesagte Bettruhe von 21:30 bis 7:30 penibel genau eingehalten. Da die Ister-Webseite nicht zum Food-Blog verkommen soll, nur hier ein Bild von den leckeren Palatschinken mit Marillenmarmelade. Es ist das letzte Bild von einer Süßspeise, versprochen! (Trotzdem erwähnenswert: Der Eisbecher mit Eierlikör und ganz viel Schlagobers war ebenfalls perfekt als Stärkung)

Palatschinken beim Schiffmeister

Okay, Tag 2, Wesenufer, 08:00 Uhr: Es nieselt nur leicht. Nach dem (übrigens für diese Gasthofgröße ausgezeichneten) Frühstücksbuffet mit warmen Weckerln werden die Boote abgeladen, zusammengeschraubt, Gepäck verstaut, und bevor das im Durchschnittsalter jüngste Boot mit der Sitzplatzeinteilung fertig war, ruderten die „alten Hasen“ (Anm. des Autos: der Ausspruch kommt nicht von mir!) schon längst davon. Erfahrung bringts!

Aufbruch von Wesenufer

Auf dem Weg flussabwärts wird um Baumstämme gekonnt herumgesteuert, und die Schwäne verhalten sich zu dieser Jahreszeit auch wieder ruhig. Es regnet gelegentlich etwas mehr. Insgesamt geht es sich bei vielen Leuten aus, dass sie die Regentropfen noch mit dem Körper wegheizen.

Rudern im Regen

Etwa 30 Minuten vor der Schleuse in Aschach überholen wir im Eiltempo ein Wikingerschiff, deren offensichtlich betrunkene Besatzung keine sinnvollen Ruderschläge mehr schafft, und trotz Dieselunterstützung und guter Taktvorgabe nicht wirklich vorankommen mag. Solche Anfänger.

Neufundland auf der Donau

Kurz vor der Schleuse treffen wir noch auf einen ukrainischen Frachter, mit dem wir die Talschleusung teilen können. Mittlerweile sind auch alle Wanderboote wieder beisammen. Die vorgeschriebenen Rettungswesten werden gerne benutzt, bieten sie doch einen zusätzlichen Regen- und Kälteschutz. Trotzdem hat so eine Schleuse den Flair eines feuchten Kellers, und das Neulinge-Boot ist erstaunt über die griffbereiten Regenschirme. Wir erkennen erneut: Erfahrung bringts!

Schleuse Aschach Oben

Schleuse Aschach unten

Der Uhrzeit, der Erfahrung und dem Bauch nach sollte es bald Mittagessen geben, das in der vorgeheizten Stube eines Gasthofs in Brandstatt auch nach etwas Wartezeit serviert wird. Diesmal ist wirklich öfter Suppe am Speiseplan, und um das Versprechen von vorhin nicht zu brechen, kein Süßspeisenfoto, sondern ein hervorragender Backhendlsalat:

Backhendlsalat Pupping

Mit der zusätzlichen Power der vorhin ebenfalls servierten Kardinalschnitte (es gab auch andere Süßspeisen) waren wir im Nullkommanix bei der etwas glitschigen Überhebestelle in Ottensheim, und konnten die Regattastrecke in doppelter Renngeschwindigkeit (also 4 min / 500 m) durchqueren. Ein richtig idyllischer Platz ohne Rennhektik!

Überheben in Ottensheim

Just mitten in einer der Bahnen öffneten sich die Pforten des Himmels, Engel stiegen herab und … Nein, es war nur die Sonne, die sich endlich mal blicken ließ, und endlich hatte man wieder was zum raunzen und sudern: Es ist so heiß, der Schweiß brennt in den Augen, machen wir wieder ein Trinkblatt, die Sonne blendet…  Komisch, dass es diese Raunzereien in den Booten der „alten Hasen“ nicht gab. Vermutlich haben sie kurz nach vorn geblickt und den blauen Himmel gesehn. Ganz eindeutig: Erfahrung bringts.

Danke an alle Teilnehmer der ganz besonderen zweitägigen Wanderfahrt; und ein besonderes Dankeschön an die Bus- und Autofahrer.

Noch mehr Fotos auf der Ister-Smugmug-Seite gibt es hier.

Bis zum nächsten Mal!

Boot der Neulinge

 

¹… Linienschifffahrt: Regelsatz der die Bezahlung der „Linien“ – auch „Runden“ im Lokal reglementiert.

3 Kommentare

  1. Danke für diesen erfrischenden Artikel.
    Ich kann mir sehr gut vorstellen, was sich beim Schiffmeister getan hat puncto „Linienschifffahrt“ und es tut mir jetzt noch leid, diese etwas andere Wanderfahrt nicht erlebt zu haben. Und für die nächsten Fahrten gibt es schon wieder ein paar mehr, denen Erfahrung was bringt!
    Alex

  2. Lieber Daniel!
    Danke für diesen köstlichen Bericht mit diesem sehr feinen Humor.
    Zu erwähnen wäre, dass du und Karin für die ganzen Ruderer eine erste Runde geschmissen habt und nicht nur für euer Boot (sehr großzügig) und eigentlich hätte unser Boot: Didi, Daniel, Karin, Regina und ich 4 „Linien“ an Regina zahlen müssen, weil wir vier das erste mal geschleust haben – sie wollte aber nicht „untergehen“. Müssen wir daher sukzessive nachholen.

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