Gesundheitliche Aspekte

Wie sich die Gesundheit Schlag um Schlag verbessern lässt

Ein Boot, zwei Ruder, Hunderte trainierte Muskeln! Mit dieser simplen Erfolgsformel schaffte es Rudern in einer Studie des deutschen Magazin „Focus“ über die gesündesten Sportarten der Welt schon vor einigen Jahren auf den ersten Platz.

„Rudern trainiert wie keine andere Sportart so viele Muskeln und gleichzeitig auch Kreislauf und Kondition“, schwärmt der Sportmediziner, Zahnarzt und vierfacher Ruderweltmeister DDr. Christoph Schmölzer. Er selbst kann sich ein Leben ohne Rudern nicht vorstellen.

Die Medizin kennt heute die vielen Trümpfe, die Rudern als „Universalgenie“ unter den Freizeitsportarten ausspielen kann:

 

650 AUF EINEN STREICH

Der menschliche Körper wird von rund 650 Muskeln bewegt, nahezu alle davon werden beim Rudern beansprucht. „Das ist einzigartig und kann von kaum einer anderen Sportart geleistet werden“ erklärt der Arzt und Vierfachweltmeister. Die meiste Arbeit beim Rudern fällt den Beinen zu, auch Arme, Hüfte, Rücken und Oberkörper werden stark beansprucht. „Insbesondere die Region Bauch, Beine und Po wird extrem gefordert. Dadurch stellt Rudern eine ausgezeichnete Alternative etwa zu Aerobic dar und tut der Figur gut.“

 

MUSKEL – MANAGER IN AKTION

Arbeiten so viele Motoren gleichzeitig im Körper, ist Koordination gefragt. Also quasi ein Muskel – Management. „Steigt ein Sportler erstmals ins Ruderboot ist es für ihn fast unmöglich, die Technik sauber auszuführen“, weiß Schmölzer. „Um die parallel arbeitenden Muskelschleifen etwa vom Arm über Oberkörper. Hüfte bis hin zu den Beinen in den Griff zu bekommen, braucht es Übung. Die Aneinanderkettung dieser Muskelbewegungen macht Rudern zu einer koordinativ anspruchvollsten Sportarten überhaupt. Wird auf dem Wasser gesportelt und nicht auf einem Ergometer, kommt als Herausforderung hinzu, die Ballance zu halten.“

 

SCHWERARBEIT FÜR DIE PUMPE

Beim kraftvollen Rudern werden vom Akteur rasch 60 Prozent seines maximalen Pulswertes überschritten. Seine Ausdauer wird ab diesem Zeitpunkt ebenso effektiv trainiert wie bei den für diesen Zweck häufig gewählten Sportarten Laufen oder Schwimmen. „Gerade diese Kombination von Muskel- und Ausdauertraining macht Rudern so einzigartig.“ Das fast lautlose Dahingleiten auf dem Wasser trainiert effektiv Herz und Kreislauf, während gleichzeitig Problemen wie Bluthochdruck, oder Kurzatmigkeit entgegengearbeitet wird.

 

HIRNZELLEN AUF HOCHTOUREN

So unglaublich es klingt – „Rudern setzt nachweislich den Prozess der Hippokampalen Neurogenese in Gang. Das bedeutet, dass dabei neue Nervenzellen entstehen, die das Gehirn aufnahmefähiger machen.“ Schmölzer: „Das liegt an der Vielseitigkeit der Bewegung, die die kleinen grauen Zellen eben mehr auf Touren halten, als zum Beispiel das Joggen. Weiterer mentaler Zusatznutzen: Rudern in freier Natur kann auch als Stimmungsaufheller bei Depressionen und Trübsinn sehr hilfreich sein.“

 

ALLE SITZEN IN EINEM BOOT

Ob Frau, Mann, alt oder jung – beim Rudern können die unterschiedlichsten Athleten gemeinsam an einem Strang ziehen. Der erforderliche Teamgeist bringt eine besonders starke soziale und erzieherische Komponente zum Tragen.

 

STOPP DEN WEHWECHEN

Die vielen kleinen Blessuren, die für Läufer, Tennis- oder Fußballspieler zum ständigen unliebsamen Begleiter geworden sind, treten beim Rudern nicht auf, weiß Sportarzt Schmölzer. Als Freizeitsport ausgeübt, ist es so verletzungsarm wie kaum eine andere Sportart. Einzig kleine Druckstellen und Blasen an den Händen können einem den Spaß verderben. „Es wird ja nicht mit dem eigenen Körpergewicht gearbeitet wie beim Laufen. So werden Gelenke und Wirbelsäule geschont“, erklärt der Mediziner.

 

HARMONIE BIS INS HOHE ALTER

Der flotte Wassersport ist für nahezu jeden geeignet. Nur Epileptiker und Menschen mit Wirbelsäulenproblemen, oder anderen bereits bestehenden Verletzungen sollten Vorsicht walten lassen. „Und selbst da kann die Ausübung je nach Einschränkung manchmal therapeutische Wirkung haben. Das muss aber im Vorfeld ärztlich abgeklärt werden“. Kindern empfiehlt Schmölzer nicht vor dem zwölften Lebensjahr mit dem Rudern zu beginnen. „Das größte Problem liegt in der Ergonometrie, weil ihnen die Boote meistens deutlich zu groß sind.“ Nach oben hin gibt es altersmäßig kein Limit. Selbst bis tief hinein in das achte Lebensjahrzehnt gebe es meist keinen Grund, das Ruder aus der Hand zu geben, denn Ruderboote sind nicht nur Sportgeräte, sondern auch Lebensschule, bei der man nie ausgelernt hat. „Dieser Sport lehrt, im wahrsten Sinne des Wortes im Gleichschlag mit den Mitmenschen zu agieren.“

 

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