Sternfahrt Stein – Juli 2019

Untertitel: 130km in 2 Tagen und: Das Temperatur-Paradoxon.

Gerade einmal vorletztes Jahr wurden die 130km+ auf der Donau von Linz nach Stein errudert. Damals sogar – ganz verrückt – an einem Tag. Dieses Jahr sollte das an 2 Tagen also kein Problem sein. Trotz tollem Wetterbericht (ganz viel Sonne und warm) und sehr lesenswertem Bericht der letzten Ausfahrt war die Anzahl der Anmeldungen für die Sternfahrt mal eher mau. Vielleicht auch, weil die richtigen Ruderer bei einer Regatta geschwitzt haben? Vielleicht.

Der verwegene Plan, die ganze Strecke wieder an einem Tag zu meistern, wurde mangels Motivierter übrigens recht bald wieder in der Schublade versteckt. Ein bisl Gegend-schaun muss ja auf so einer Reise auch drin sein.

Am Freitag, den 26. Juli fühlten wir uns dann wie die Stiere vom roten Temperatursymbol der Wetter-App angetrieben, hüpften ins Boot, und starteten voller Elan flussabwärts. Stefan am Schlag, Daniel im Maschinenraum, Andrea an der Lagetrimmposition und Franz am Steuer.

Ein Boot ist voll.

Die Physik sagt über den Zusammenhang von Temperatur und Teilchenbewegung ganz eindeutig: „Die Bewegung ist umso heftiger, je höher die Temperatur ist.“ (Quelle). Wenn man sich während dem Rudern darüber Gedanken macht, stellt man sehr schnell fest: Die müssen sich geirrt haben! Selbst bei flirrender Hitze von 38°C bewegten wir uns kein bischen schneller. Bis Ende des Tages fanden wir für diese paradoxe Geschichte irgendwie keine sinnvolle Erklärung.

Flussabwärts wurde nun also fleißig Sonnencreme geschmiert, Wasser portionsweise getrunken, Weintrauben als ausgezeichneter Energielieferant entdeckt und noch viel fleißiger Geschwitzt. Sogar den zahlreichen Schwänen kurz vor dem Kraftwerk Abwinden war es zu warm, als dass sie sich irgendwie durch die Boote gestört gefühlt hätten. Oder ist das passive Verhalten der weit auseinanderschwimmenden Schwäne nur ein cleverer Trick, den Abwärmestrom möglichst nur ins Wasser abzugeben und nicht auf andere Schwäne? Hut Ab. Diese Geschöpfe haben uns einiges Voraus, und wissen wie man sich bei solchen Sommertemperaturen verhält. Um es gleich vorweg zu nehmen: Durch die glitschige Sonnencreme wurden wir auch nicht schneller.

Diese Schwäne behalten einen kühlen Kopf.

Schlag für Schlag (an diesem Tag übrigens recht genau 4000 Stück; Details siehe ganz Unten in der Garmin-Statistik) rückten wir unserem Ziel, Wallsee, näher. Kurze Pausen waren ab und zu mal drin, Schwimmen bei der Überhebestelle auch. Stefan hat irgendwann erkannt: Nur noch weniger als 24 Stunden bis zum Schweinsbraten in Stein! Außerdem viel schöne Natur, eine Menge Donaubadegäste an den Ufern, und überraschend mäßiger Sportbootverkehr. So waren wir nach einem schönen Rudertag um ungefähr 20:00 Uhr in Wallsee.

Die intelligente Uhr sagt außerdem: 4 Stunden in Bewegung, Durschnittspace: 3:30/500m, und 2:57/500m in Bewegung. Durchschnittlich 19 Schläge pro Minute, bei gesamt 3992 Schlägen.

Heck der Ostarrichi Richtung Sonnenuntergang im Donau-Altarm bei Wallsee.
Marillenschaum

Durch die tolle Recherche von Stefan wurden wir nach einem anstrengenden (hah, nur 40km) Tag von unserer Unterkunft, quasi dem Kirchenwirt von Wallsee, abgeholt und zu unseren Betten und Duschen gebracht. Aussicht am Kirchenhügel von Wallsee herrlich!

Weil wir als Zwischenstation für Ruderer damit gute Erfahrungen gemacht haben, und vielleicht für Nachahmer: Wir waren beim Kirchenwirt Gasthaus Hehenberger untergebracht und verköstigt. (07433/2207 bzw. 0676/11 66 408)

Zu unseren Ehren wurde eine gemischte Grillplatte für 4 Personen aufgetischt, die genauso wie das erste Bier im nullkommanix ins uns „verdampft“ ist (Zitat Stefan). Die außerdem für uns bereitgestellte Kapelle wurde leider durch eine Geburtstagsgesellschaft gestört, die genau dann auftauchte, als die Kapelle für uns zu spielen begann. So etwas aber auch… Spaß beiseite: Von unserer Seite ebenfalls alles Gute zum 60er liebe „Mama“, viel Spaß mit dem neuen SUP, und Danke für die Unterhaltung, die wir quasi mitbenutzt haben!

Die außerordentlich fleißige Chefin kam am nächsten Morgen unserem Wunsch nach einem ebenso außerordentlich frühem Frühstück um 05:30 nach, und wir wurden mit Obstteller, Wurst- und Käseplatte außerordentlich gut verköstigt. Danke!

Die Wetter-App spricht zum Samstag, den 27. Juli übrigens Regen am Nachmittag! Huch, was ist denn da passiert; auf den waren wir garnicht eingestellt. Mit dem Sonnenaufgang im Rücken starten wir um kurz nach 06:00 los. Nach Grein, beim Hößgang dann der erste Regenschauer um 09:00. Es gesellen sich – wie sich das gehört – auch noch Blitz und Donner dazu. Mangels Alternativen wurde durchgerudert damit man nicht auskühlt. Insgeheim waren wir aber doch froh, dass die Sonnencreme statt Schweiß nun Regentropfen abperlen ließ.

Tolle Aussicht in der Wachau (hier zu sehen: Dürnstein, rote Boje und müde Ruderer)

Irgendwann war dann auch der Regen wieder aus, die Sonnencremeschicht wurde aufgedickt und weiter gings…

Spätestens in der Wachau haben wir erkannt: Unser Ziel, spätestens bis 16:00 Uhr in Stein anzukommen geht sich aus! Die Strömung, die uns manchmal sogar auf unter 2min/500m beschleunigte tat auch ihr übriges dazu. Die schöne Landschaft flitzte – genau wie die mehr gewordenen Schiffe und Motorboote – an uns vorbei. Durch die Vogalonga geübt, schnitt unser Steuermann Franz gekonnt durch die Wellen, um ja keine Zeit zu verlieren.

Etwa 6 Kilometer vor Stein muss es gewesen sein, ich kann mich noch genau erinnern: Hier stieg das erste mal der gute Duft von Essen in unsere Nase. Dank Gegenwind rochen wir die sehr professionell veranstaltete Sternfahrt+Sommerfest vom Ruderclub Stein bereits im Idyllischen Oberloiben.

Die letzten 3 Kilometer waren dann anstrengend. Das Ziel (Brücke) quasi schon vor Augen (zumindest die vom Steuermann), den Duft von Gegrilltem, und – wers glaubt – jetzt erst einsetzenden Wehwehchen nach über 90km Ruderei. Froh, es geschafft zu haben, wird um 15:27 angelegt und nachdem das Boot verstaut war, endlich das verdiente Essen genossen. (Rudererchips, Kotelett und Fleischspieße waren sehr gut!)

Der LRV Ister hat dann den guten 7. Rang in der Punktewertung belegt. Der vom Steuermann vorgeschlagene – und ignorierte – Extrakilometer Flussabwärts hätte uns da auch auf keinen Stockerlplatz befördert ;-).

Geschafft und Glücklich

Danke liebe Mannschaft! Auf der Rückfahrt haben wir (manche mehr, manche weniger) schon von der nächsten Wanderfahrt geträumt.

Noch mehr Fotos und Videos: https://fotos.ister.at/Ister-Fotos/2019/2019-7-Sternfahrt-Stein/

Die Skyline von Linz.

Lieber Leser, ich hab noch etwas vergessen zu erwähnen: Die ganze Ausfahrt wurde übrigens zeitgleich von drei permanent montierten GoPro-Videokameras aus unterschiedlichen Perspektiven aufgezeichnet. Wir sind noch dabei die etwa 50.000 Einzelbilder auf 86GB zu sichten. Spätesens nächstes Jahr, oder – wenn die Temperaturen paradoxerweise niedrig genug sind – um uns schneller arbeiten zu lassen, bis zum Bilderabend (ca. März 2020) sollten wir verwertbare Ergebnisse haben ;-).

Tag 1:
Tag 2:

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